Eine runde Sache war unsere Exkursion am 13.08.2026 nach Wuppertal, in eine Stadt, die so einige Besonderheiten bietet. 29 Teilnehmer: innen, darunter erfreulicherweise auch zahlreiche Gäste, hatten sich zu dem Sonntagsausflug gemeldet. Auf dem Engelsplatz in Engelskirchen gestartet, steuerte unser Busfahrer unser erstes Ziel an, die Haltestelle Vohwinkel der Wuppertaler Schwebebahn. Wir genossen den größten Teil der 13 km langen Strecke, meist 8-12 m über der Wupper schwebend, in Blicknähe von Wohnzimmern und Arbeitsstätten und staunten über die starken eisernen Träger dieser hängenden Bahn. 1901 wurde dieses einmalige Fahrzeug gebaut und feiert in diesem Jahr seinen 125. Geburtstag. Im Laufe des 19. Jahrhundert hatten sich die beiden Städte Elberfeld und Barmen im engen Tal am Fluss entlang ausgedehnt. Sie hatten sich im 18./19. Jahrhundert zu einem Zentrum der frühen Industrialisierung entwickelt: Das Bleichen, Spinnen und Weben von Garnen machte sie zu Pionieren der Textilindustrie. Das Wasser der Wupper lieferte die nötige Antriebskraft. Als die Schwebebahn 1901 gebaut wurde, stellte sie eine überfällige Verbindungsbahn zwischen den Städten dar. 1929 werden die beiden Städte zur Stadt Wuppertal.
Als wir an der Haltestelle Adlerbrücke wieder auf festen Boden gingen, hatten wir ein weiteres Ziel erreicht. Wir überquerten die Friedrich-Engels-Allee und waren schon im Museum Industriekultur Wuppertal. Im neu gestalteten Engels Quartier besuchten wir das Museum für Frühindustrialisierung: Es zeigt die Vorgeschichte der großen Fabrik in Engelskirchen, derentwegen Friedrich Engels, Senior 1837 das enge Tal der Wupper verließ und sein Fabrikensemble an der Agger ausbreitete.
Im Engels-Haus wird uns die Lebensgeschichte von Friedrich Engels, Junior (1820-1895) des berühmten ältesten Sohnes des Engelskirchener Fabrikgründers präsentiert. Es war das Haus seiner Großeltern und wurde 1775 erbaut. Der berühmteste Sohn der Stadt war der schärfste Kritiker des väterlichen wirtschaftlichen Erfolgs und entwickelte mit Karl Marx ein Lebenswerk entgegengesetzter Art im lebenslangen Einsatz für die arbeitenden Zeitgenossen. Auf mehreren Etagen zeugen Fotos und Schriften von seinem Wirken und seiner vielseitigen Persönlichkeit. Auch die Skulpturen im nahen Park widmen sich in ihrer Symbolik seinem Wirken.
Zur Erholung von den vielen Eindrücken kehrten wir mittags im Wuppertaler Brauhaus ein. Dieses imposante Gebäude wurde 1882 als Barmer Badeanstalt errichtet. Es war eines der ersten Hallenbäder in Deutschland und bis in die 1990er Jahre schwammen Wuppertaler ihre Runden. Schließlich wurde es umgenutzt und 1997 wurde das Wuppertaler Brauhaus in dem interessanten Bau eröffnet. Man sitzt auf einer Galerie im ersten Stock und sieht in der Tiefe in das einstige Schwimmbecken mit seinen leuchtenden Kacheln und oberhalb der silberfarbigen Braukessel, in denen das eigene Bier gebraut wird. Ein besonderes Mittagessen inmitten von so viel Geschichte!
Text: Maria Clever | Fotos: Gudrun Schleper / Hans Georg Selent