Es wird hell im Oberbergischen

Erster Strom im Bergischen (KI-Bild)

Transformator 01/2024

„In dem Ermen & Engelschen Etablissement ist man mit der Anlage einer elektrischen Beleuchtung beschäftigt.“

So stand es im November 1888 im Oberbergischen Anzeiger (wurde im Verlag Robert Schallert in Engelskirchen gedruckt). Eine kleine Sensation, denn Elektrizität war eine teure Energie, zumal Ermen & Engels mit Leuchtgas aus eigener Produktion gut versorgt war. Ein gravierender Nachteil der Gasenergie: Die Feuergefährlichkeit. Die Gefahr der Gasflamme war nicht weg zu diskutieren. Besonders in Textilfabriken. Zumal die Fabriken wegen der hohen Versicherungsbeiträge nicht immer feuerversichert waren, sodass bei einem Fabrikbrand die gesamte Existenz der Besitzer in Gefahr geriet.

Schon zwei Jahre früher soll in Osberghausen an der Agger ein Generator der Fa. Schuckert Lichtstrom für die Produktionsräume der Fa. Baldus und Söhne geliefert haben, wie man in der Jubiläumsschrift selbigen Unternehmens lesen konnte. Auch einige Häuser des kleinen Ortes, vermutlich der Eigentümer des Unternehmens und höhere Angestellte, werden in den Genuss der teuren Energie gekommen sein.

Schon 1889 flammten elektrische Lampen in der schmucken oberbergischen Kreisstadt auf Es war ein kleines, dampfbetriebenes Elektrizitätswerk einer Firma aus Hagen, die mit kleindimensionierten Dampfmaschinen und einem kleinen Generator während des Tages und der Nacht Strom „erzeugte“. Hauptsächlich Lichtstrom, der während des Tages in einem Batteriesatz gespeichert wurde. Während des Abends und in der Nacht stieg der Stromverbrauch an. Die Batterie lieferte dann zusätzlich die am Tage gespeicherte Energie. Dieser Anlagentyp konnte wirtschaftlich in Kleinstädten mit Erfolg betrieben werden. Nachfragen aus dem In- und Ausland zeigten das hohe Interesse. Gummersbach gehörte mit diesem kleinen Elektrizitätswerk zu den ersten 30 deutschen Kraftwerken!

Und als erstes E – Werk in Deutschland baute es das Verteilungsnetz oberirdisch! Die Montage und die Reparatur des Leitungsnetzes wurden dadurch vereinfacht, da man nicht den Boden aufgraben musste, um die Drähte zu verlegen.  

Nachdem ab 1890 die Kosten der Anlage einer kompletten Lichtanlage erschwinglich geworden waren, kam es nach und nach zum Einbau zahlreicher mittlerer und kleinerer elektrischer Anlagen in Wasser – und Dampfmühlen, auch gerade auf dem Lande.

1897 fragte der Oberbergische Anzeiger: „Sollte solches (eine elektrische Mühle) nicht auch an anderen Orten angelegt werden, wo genügend Wasserkraft vorhanden ist?“ Aber auch unabhängig von einem Wasserlauf konnte man mittels Dampfkraft eine Lichtanlage betreiben: „Die von der Elektrizitäts AG, Nürnberg, in der Dampfmühle der Herren Gebr. Demmer & Co. (am Ortsrand von Waldbröl) angelegte Lichtanlage ist in Betrieb gesetzt und funktioniert vorzüglich. Außerhalb der Mühle sind eine 25 und eine 32 kerzige (die Lampen verbreiteten ein Licht wie 25 bzw. 32 Normal(Wachs)kerzen) und in derselben (Mühle) 31Glühlampen, je 16 Kerzen stark, und gewährt das Licht einen schönen Anblick.“

Als vor dem 1. Weltkrieg verstärkt die Landbevölkerung in die Stadt zog und die Fachkräfte ihre Arbeitsstelle bei den Handwerkern auf dem Land quittierten, wurde der Elektromotor zum besten „Gesellen“ des Handwerksmeisters – laut der Werbung der Elektro – Firmen! Denn: Der Elektromotor wurde nicht krank, setzte per Schalterdruck sofort mit der Arbeit ein, Urlaub oder Überstunden kannte er nicht usw. –

Diese Vorteile des Elektromotors erkannten auch die Mühlenbesitzer, die den Elektromotor an das Mühlrad oder die Kleinturbine anschlossen und den „erzeugten“ Strom an die zahlungskräftigen Abnehmer sandten. Zunächst war die Mehrzahl der Konsumenten nicht unbedingt von der Wirtschaftlichkeit der elektrischen Beleuchtung überzeugt (Es kostete damals eine Glühbirne umgerechnet zeitweise 10 Mark, etwa 5 € zu heutigen Preisen und hielten nicht lange. Und die Kilowattstunde schlug mit mind. 40 Cents per Stunde (heute 20 Cents) zu Buche.

Ermen & Engels konnte 1903 ihren überschüssigen Strom in ihr eigenes Leitungsnetz einleiten. Zunächst rund um die Fabrik, dann nach Loope. 1912 wurde die Hardt in Engelskirchen versorgt. Zur gleichen Zeit fragte die Gemeinde Lindlar bei Ermen & Engels an, ob der Nachbarort Strom von Engelskirchen bekommen könne. Das Projekt zerschlug sich aus technischen Gründen.

In Ründeroth koppelte der Mühlenbesitzer Schmidt das Wasserrad seiner Mühle 1904 mit dem Zulauf der Agger. Ein Wehr in der Agger vor der Straßenbrücke in Richtung Ortsausgang nach Engelskirchen lieferte das Wasser für den Obergraben und das Wasserrad der Ründerother Mühle. Der Generator versorgte das Ründerother Krankenhaus hauptsächlich mit Lichtstrom. Das Mühlengebäude steht heute noch neben dem Seniorenheim der Arbeiterwohlfahrt. Der Generator von damals konnte vor dem Verschrotten gerettet werden und befindet sich im Besitz des Rhein. Industriemuseums. In Wiehl versorgte um die Jahrhundertwende von 1901 die Mühle von Müller Soest die Gemeinde mit Lichtstrom für Straßenlampen sowie einige Bürger im Ort Wiehl.

1906 beschloss der Kreistag des Kreises Gummersbach, ein großes kommunales Kreiselektrizitätswerk in Dieringhausen zu errichten. Mehrere große Textilunternehmen hatten sich vertraglich bereit erklärt, größere Mengen Kraftstroms permanent zu beziehen. Damit war die Basis gelegt, die oberbergische Textilindustrie und andere Großabnehmer mit konkurrenzlos billigem Strom und großen Strommengen zu beliefern (3 Pfennig pro KW/h).

1908 begann das Kreiswerk (KEW) mit der Erzeugung von Millionen kW/h. Auch die Gemeinden und Städte im Kreis Gummersbach und darüber hinaus wollten an das Kreiswerk angeschlossen werden. In kürzester Zeit war der Kreis Gummersbach fast vollständig elektrifiziert, und die elektrischen Mühlen mussten die Stromversorgung einstellen. So sicherte der Kreis Gummersbach vorausschauend seine Handwerksbetriebe und Industrieunternehmen und deren Arbeitsplätze.

1924 beendete das Elektrizitätswerk Ermen & Engels seine Stromversorgung von Engelskirchen. Von da ab kam der Strom vom KEW aus Dieringhausen.

Text: Peter Ruland | Beitragsbild: OpenAI

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